Reflexionen zu meiner Malerei

Wenn ich zu malen beginne, weiß ich nie, in welch eine andere Erlebenswelt ich eintauche. Ich beginne ohne Konzept, ohne Thema, versuche etwas Gestalt werden zu lassen, übermale es wieder und wieder und wieder. Charakteristisch an meinen Bildern ist, dass sich verschiedene Techniken und Materialien mischen, die Oberflächen nie glatt sind. So entstehen oft überraschende Wirkungen.

Meine Bilder gestalte ich aus der Gewissheit heraus, dass wir der Dinge niemals wirklich gewahr werden können. Es ist wie mit meinem Gesicht. Ich betrachte es durch die Illusion des Spiegels, meist wohlwollend, gelegentlich kritisch, und entwickle dann eine ungefähre Vorstellung davon, wie ich aussehe. Niemals sehe ich mich wirklich selber in meinem Gegenüber, in den Augen des Anderen, wenn ich spreche, lache oder weine. Meine Wirkung, meine Ausstrahlung erahne ich durch den Kontakt, durch die Reaktionen der Anderen auf mich selbst.
So ähnlich sehe ich es bei meinen Bildern, die ich aus meinem Ausdrucksvermögen und meinen Gefühlen heraus gestalte. Dem wohlwollenden, fantasiebegabten Betrachter mögen sie Geschichten erzählen, Stimmungen vermitteln oder ihn auch nur erfreuen. Dem reservierten Betrachter erscheinen sie rein dekorativ oder nicht verständlich. Das Bild fordert den Betrachter auf, seine Wahrnehmung selbst einzuordnen und Verantwortung für dessen Beurteilung zu übernehmen.

Im Verlauf seiner Gestaltung nimmt jedes Bild ein Eigenleben an. Es quält mich, will vorangetrieben werden und nimmt mich vollständig in Besitz. Ich kann nicht aufhören, es nicht ruhen lassen, muss weiter malen, mich tiefer auseinandersetzen. So entwickelt sich eine Vertrautheit, eine Beziehung zu dem Bild. Gefühle, Stimmungen, Launen, Eingebungen, Experimente werden in Material und Farbe umgesetzt.

Die Entscheidung, wann das Bild fertig ist, ist schwierig, wird fast unmöglich. Ich kann nicht aufhören weiter zu malen, kann mich nicht lösen, nicht trennen, nicht verabschieden. Beenden lässt sich ein solcher Prozess immer nur willkürlich oder vorläufig.
Verantwortung entsteht. Das Bild zeigt mir in seiner Gestaltung eine persönliche Wahrheit jenseits des Gemalten.